Sandstein 2.0

Ab 2009 bekam die Sandsteinjagd eine neue Richtung. Wir hatten inzwischen so viele Wege erkundet, Geschichten erlebt und Erlebnisse gesammelt, dass irgendwann die Idee aufkam: Warum eigentlich nicht einmal ausprobieren, was passiert, wenn man die Sächsische Schweiz nicht nur zu Fuß, sondern auch mit dem Fahrrad erkundet?

Gesagt, getan. Die Fahrräder kamen mit – zunächst eher als Experiment denn als fest eingeplanter Bestandteil unserer Touren. Doch schon bald stellten wir fest, dass sich damit ganz neue Möglichkeiten ergaben. Strecken, die zu Fuß einen ganzen Tag in Anspruch genommen hätten, konnten plötzlich miteinander verbunden werden. Und natürlich führte das auch zu neuen Herausforderungen: Ein Berg, der mit dem Fahrrad vor einem liegt, sieht irgendwie noch einmal ganz anders aus als einer, den man nur zu Fuß besteigt.

Gleichzeitig entstand eine weitere Idee: Unsere Erlebnisse sollten nicht mehr nur im Fotoalbum oder im Kreis der Familie bleiben. Wir wollten sie aufschreiben und mit den Daheimgebliebenen teilen. So entstand der Sandsteinjäger-Blog – zunächst als eine Art digitales Tagebuch unserer Touren, später immer mehr als das, was er heute ist: eine Sammlung von Geschichten, Bildern, Erlebnissen und manchmal auch ziemlich eigenwilligen Reiseentscheidungen.

Der Blog wurde damit zur Brücke zwischen unterwegs und zu Hause. Man konnte unsere Touren verfolgen, mitlesen, was wir erlebt hatten, und vielleicht ein wenig nachvollziehen, warum wir schon wieder in die Sächsische Schweiz wollten. Aus einzelnen Urlauben wurde langsam eine Geschichte, die sich von Jahr zu Jahr weiterschrieb.

Doch 2010 brachte einen schweren Einschnitt. Klaus, der geistige Vater und eine der treibenden Kräfte hinter dem Sandsteinurlaub, verließ uns viel zu früh. Sein Platz blieb leer, aber seine Idee und seine Begeisterung für die gemeinsamen Unternehmungen blieben. Vieles von dem, was wir in den folgenden Jahren machten, hätte ohne ihn vielleicht nie begonnen.

Katrin und ich führten diesen Gedanken weiter – zu Fuß, später wieder mit dem Fahrrad und immer mit dem Gefühl, dass ein Teil von Klaus bei unseren Touren dabei ist. In jedem vertrauten Weg, in jedem neuen Gipfel und manchmal auch in den Geschichten, über die wir noch Jahre später lachen.

2012 begann mit einem kleinen Vorab-Ausflug mit Katrin, bevor es im September als Viererteam wieder in den „wilden Süden“ ging. Gitti und Nettchen machten sich auf, die Welt der Sandsteinjäger kennenzulernen, und bewiesen mit „Herbstlaub“, dass sie durchaus das Zeug zu echten Sandsteinjägern hatten. Gemeinsam wurden Wege erkundet, Höhenmeter gesammelt und neue Eindrücke gewonnen. Eine Wiederholung war danach eigentlich nur noch eine Frage der Zeit.

2013 stand unter den „Koordinaten 50° 54′ N, 14° 10′ O“. Die zweite Elbeflut machte aus unserer Urlaubsplanung kurzerhand eine Improvisationsübung. Das Nachtlager wurde vom Wasser bedroht beziehungsweise gleich zum Opfer der Verhältnisse, sodass eine neue Unterkunft auf der anderen Elbseite zur Basis für einen ungewöhnlichen Sommer wurde.

Aber auch das gehört zum Sandsteinjäger-Prinzip: Wenn der Plan nicht funktioniert, wird eben ein neuer gemacht. Tagsüber Sonne satt, nachts tropische Temperaturen – und mittendrin das Tessiner Team, das wir über die Gipfel führten und mit kleinen Mutproben an die Grenzen der persönlichen Bergtauglichkeit brachten. Wieder wurden neue Spuren im Sandstein hinterlassen und wieder wurde unser kleiner Kreis ein Stück größer.

2014 brachte schließlich eine doppelte Portion Sandstein. Durch Urlaubsverlagerungen und die begrenzte Zeit entstanden zwei Reisen – eine im Sommer und eine im Herbst. Die Fahrräder waren inzwischen nicht mehr nur Versuchskaninchen, sondern gehörten fest zum Sandsteinurlaub. Die Strecken wurden länger, die Ziele ambitionierter und die Kombination aus Radfahren und Wandern immer selbstverständlicher.

Dabei blieb aber das Wichtigste unverändert: Es ging nie darum, möglichst viele Kilometer oder Höhenmeter zu sammeln. Es ging ums Erkunden, ums Staunen und um das gemeinsame Erlebnis. Der Weg war das Ziel – manchmal wortwörtlich.

2015 wurde dann ein Jahr mit ganz unterschiedlichen Bergen. Zunächst führte uns der Weg nach Österreich in die Region rund um Dachstein und Schladming. Dort wurden zahlreiche Gipfel mit 2.000 Metern und mehr bestiegen, ordentlich Höhenmeter gesammelt und die alpine Bergwelt ausgiebig erkundet. Ein Urlaub, der uns gezeigt hat, dass die Sandsteinjäger durchaus auch mit höheren Bergen zurechtkommen – auch wenn die Beine danach vermutlich eine etwas andere Meinung hatten.

Einige Wochen später zog es uns dann trotzdem wieder nach Krippen. Nicht als Fortsetzung der Österreichreise und auch nicht, weil uns dort plötzlich etwas gefehlt hätte – sondern schlicht, weil wir offenbar nicht dauerhaft vom Sandstein loskamen.

Wie krank muss man eigentlich sein, wenn man nach einem Bergurlaub in Österreich freiwillig wieder in die Sächsische Schweiz fährt?

Vielleicht ein bisschen.

Aber auf die schönste Weise.

Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Das Sandsteinfieber war längst keine vorübergehende Urlaubsidee mehr. Die Fahrräder waren ausprobiert, der Blog geschrieben, unzählige Wege erkundet – und der berühmte Zettel mit den nächsten Touren wurde trotzdem nicht leer.

Im Gegenteil.

Die Sandsteinjäger waren endgültig unterwegs.